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Rund sechs Milliarden Euro Schulden »Am Rande des finanziellen Desasters« – englische Fußballbehörde schlägt Alarm

Stellen die Eigentümer ihre Finanzspritzen ein, könnten viele der englischen Clubs binnen 30 Tagen vor dem Aus stehen. Laut einem Bericht der Behörde IFR schreiben mehr als hundert Vereine in den fünf höchsten Ligen Verluste.
Ein Banner beim Spiel Liverpool gegen Manchester City zeigt ehemalige und aktuelle City-Akteure in Häftlingskleidung
Ein Banner beim Spiel Liverpool gegen Manchester City zeigt ehemalige und aktuelle City-Akteure in Häftlingskleidung

Ein Banner beim Spiel Liverpool gegen Manchester City zeigt ehemalige und aktuelle City-Akteure in Häftlingskleidung

Foto: Peter Byrne / PA Wire / dpa

Inmitten des Finanzskandals um Manchester City hat die unabhängige Fußballaufsichtsbehörde (IFR) in einem Bericht  alarmierende Zahlen zum englischen Fußball veröffentlicht. Trotz Rekordeinnahmen von rund neun Milliarden Pfund (rund 10,6 Milliarden Euro) würden viele Vereine am Rande des finanziellen Ruins stehen.

Demnach hätten in der vergangenen Saison 94 Prozent der 116 Vereine in den fünf höchsten Spielklassen Verluste gemacht. Mehr als ein Viertel aller Clubs könnten nicht länger als 30 Tage überleben, wenn ihre Eigentümer die finanzielle Unterstützung einstellen würden. Namentlich genannt wurde kein Club.

Mehr als 60 Prozent der Vereine aus der English Football League (EFL) und der National League gälten demnach als technisch insolvent. 17 Vereine würden selbst ohne jegliche Zahlung von Spielergehältern Verluste machen. Die Mehrheit der Clubs sei finanziell nicht tragfähig, hieß es weiter, darunter 20 Prozent aus der Premier League.

Besitzer von Manchester City, Mansour Bin Zayed Al Nahyan (M.), und Clubvorsitzender Chaldun al-Mubarak (r.)

Besitzer von Manchester City, Mansour Bin Zayed Al Nahyan (M.), und Clubvorsitzender Chaldun al-Mubarak (r.)

Foto: Martin Rickett / Press Association / dpa

»Während einige unserer Vereine zu den reichsten und wettbewerbsfähigsten der Welt gehören, stehen andere am Rand des finanziellen Desasters«, sagte der IFR-Vorsitzende David Kogan. Die Einnahmen seien zwar stark gestiegen, die Kosten jedoch noch stärker. Dies habe Schulden sowie Verluste erhöht und die Abhängigkeit von den Eigentümern verstärkt. »Wer diesen Bericht liest, kann keinen Zweifel daran haben, dass Eingriffe notwendig sind«, sagte Kogan.

Schulden wachsen auf rund sechs Milliarden Euro

Während die Gesamteinnahmen der Vereine einen Rekord darstellten, stiegen die Schulden laut dem Bericht von rund 2,8 Milliarden Pfund (rund 3,3 Milliarden Euro) in der Saison 2020/21 auf 4,1 Milliarden Pfund (rund 4,8 Milliarden Euro) in der abgelaufenen Spielzeit 2025/26. Für die kommende Saison werden 5,1 Milliarden Pfund (rund sechs Milliarden Euro) erwartet. Rund drei Viertel der Schulden entfallen auf Premier-League-Clubs.

Die durchschnittlichen Verluste der Premier-League-Vereine erhöhten sich in den vergangenen fünf Spielzeiten von 20 auf 44 Millionen Pfund pro Jahr (rund 52 Millionen Euro).

Laut Bericht wird zudem die finanzielle Schere zwischen den Clubs immer größer. So verdiene ein durchschnittlicher Premier-League-Club mittlerweile mehr als das Achtfache eines durchschnittlichen Zweitligisten.

Die IFR ist damit beauftragt, die finanzielle Stabilität der Clubs zu verbessern, sie fordert dabei unter anderem robuste Notfallpläne für den Fall ein, dass die Finanzierung durch Clubbesitzer wegfällt. Auch ein Modell für die Umverteilung von Einnahmen aus der Premier League in die unteren Ligen der englischen Fußballpyramide ist im Gespräch. Eine Einigung haben die Ligen aber trotz langer Gespräche noch nicht erzielt. Die IFR hätte die Befugnis, eine Vereinbarung durchzusetzen.

Der Bericht erscheint inmitten des Urteils gegen Manchester City. Eine unabhängige Kommission hatte den Club wegen Verstößen gegen die Finanzregeln der Premier League in 114 von 115 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Dem zehnmaligen englischen Meister drohen harte Strafen bis hin zur Aberkennung mehrerer Meistertitel oder einem Zwangsabstieg. City weist die Vorwürfe zurück und hat Einspruch gegen das Urteil eingelegt.

Wie Manchester City jahrelang die englische Liga betrogen und belogen hat, lesen Sie hier.

luc/dpa/sid